Karnak: zweitausend Jahre Bauen für Amun

Karnak ist nicht ein einzelner Tempel, sondern eine ganze Tempelstadt. Rund 2.000 Jahre lang fügte ein Pharao nach dem anderen Tore, Hallen und Obelisken hinzu, um den Gott Amun zu ehren.

Die alten Ägypter nannten ihn Ipet-isut, „den auserlesensten der Orte“. Heute heißt er Karnak und ist einer der größten religiösen Komplexe, die je erbaut wurden. Am Ostufer des Nils in Luxor gelegen, dem antiken Theben, war er die Heimstatt des Gottes Amun-Re, des Königs der Götter, und über Jahrhunderte das spirituelle Herz Ägyptens. Die Geschichte des Karnak-Tempels umspannt rund 2.000 Jahre.

Die Geschichte des Karnak-Tempels: ein Tempel, der nie aufhörte zu wachsen

Der Bau in Karnak begann im Mittleren Reich vor rund 4.000 Jahren und dauerte bis in die Zeit der Ptolemäer und Römer. Fast jeder große Pharao wollte hier seine Spuren hinterlassen. Jeder fügte ein neues Tor (Pylon), einen Hof, eine Kapelle oder eine Statue hinzu, und so ist ein Gang durch Karnak wie ein Blättern in der Geschichte Ägyptens.

Ein Reisender zwischen den reliefgeschmückten Säulen des Karnak-Tempels
Die Säulen des Großen Säulensaals sollten wie ein Wald aus Stein wirken.

Der Große Säulensaal

Der berühmteste Teil von Karnak ist der Große Säulensaal, begonnen von Sethos I. und vollendet von seinem Sohn Ramses II. Er umfasst 134 gewaltige Säulen in 16 Reihen. Die zwölf mittleren Säulen ragen rund 21 Meter auf und trugen einst ein Dach mit Fenstern, durch die schmale Lichtstrahlen fielen. Jede Fläche ist mit Szenen von Königen, Göttern und Schlachten bedeckt, und Spuren der ursprünglichen Bemalung sind bis heute erhalten.

Obelisken, ein heiliger See und eine Allee der Sphingen

  • Der Obelisk der Hatschepsut: ein einziger Block aus rosa Granit aus Assuan, fast 30 Meter hoch und einer der höchsten antiken Obelisken, die noch stehen.
  • Der heilige See, in dem sich die Priester reinigten, bevor sie den Tempel betraten.
  • Die Sphingenallee, fast 3 Kilometer lang, die Karnak mit dem Luxor-Tempel verband und 2021 nach jahrelangen Ausgrabungen wiedereröffnet wurde.
Reliefs und Hieroglyphen auf einer Steinmauer erzählen die Geschichte des Karnak-Tempels
Fast jede Wand in Karnak ist mit Hieroglyphen und Opferszenen bedeckt.

Beim großen Opet-Fest wurde die Statue des Amun in einer heiligen Barke von Karnak zum Luxor-Tempel getragen, während die Menschen am Weg feierten. Diese Prozession ist noch heute auf den Tempelwänden zu sehen.

Amwaj-Tipp: Kommen Sie früh am Morgen, vor der Hitze und den großen Gruppen, wenn das Licht weich auf den Säulen liegt. Kehren Sie abends zur Licht- und Tonshow von Karnak zurück, wenn der Tempel im Dunkeln seine Geschichte erzählt.

Die Geschichte des Karnak-Tempels vor Ort lesen

Wer Karnak durch den ersten Pylon betritt, geht in gewisser Weise rückwärts durch die Zeit. Dieses mächtige Tor gehört zu den jüngsten Bauten des Tempels und wurde nie ganz vollendet. Je weiter Sie nach innen gehen, desto älter werden die Mauern, bis Sie im Zentrum den Bereich erreichen, an dem im Mittleren Reich alles begann.

Achten Sie auf die Kartuschen, die ovalen Rahmen mit den Namen der Könige. Sie verraten, wer welchen Teil errichten ließ, und Ihr Reiseleiter zeigt Ihnen gern, wo ein Pharao den Namen eines Vorgängers überschreiben ließ. Lohnend ist auch das Freilichtmuseum im Norden der Anlage mit der Weißen Kapelle Sesostris’ I., einem der ältesten erhaltenen Bauwerke in Karnak.

Karnak gehört zusammen mit dem Luxor-Tempel und den Stätten des Westufers zum UNESCO-Welterbe Theben. Planen Sie genug Zeit ein, damit neben dem Säulensaal auch die stilleren Höfe zu ihrem Recht kommen.